Vanlife in Island: Zwischen Magie und Regentagen im Norden
Ein herzliches Hallo an euch alle aus meinem kuscheligen „Floh“!
Wenn ich in den letzten Tagen hier so durch den Regen blicke, komme ich unweigerlich ins Nachdenken. Island hat sich verändert – wer schon mal hier war, merkt das schnell. Wenn ich an meine allerersten Besuche zurückdenke, gab es gefühlt kaum Regeln. Heute prägen Straßenmaut, die (absolut sinnvolle!) Allrad-Pflicht im Hochland und das Übernachtungsverbot abseits von Campingplätzen das Reisen. Auch Parkgebühren an den Naturwundern sind dazugekommen. Bei über 2 Millionen Besuchern im Jahr – auf gerade mal 400.000 Einwohner – müssen die Touristenströme einfach gelenkt werden. Manchmal tut es fast ein bisschen weh zu sehen, wie die „letzte Wildnis Europas“ ein Stück ihrer alten Magie verliert, weil Social Media vorab schon fast jeden geheimen Winkel enthüllt.
Aber das ist nur die eine Seite! Denn wer die typischen Insta-Hotspots einfach links liegen lässt, findet sie nach wie vor an jeder Ecke: die absolute, intensive Freiheit und Island pur! Der Wandel hat ja auch seine praktischen Seiten. Vor 10 Jahren war die Versorgung noch ein echtes Abenteuer – heute gibt es außerhalb des Hochlands fast überall Supermärkte und Tankstellen. Da ich im „Floh“ ohne Kühlschrank unterwegs bin, kaufe ich immer nur das ein, was ich kurzfristig verbrauche – Food Waste geht schließlich gar nicht! Einiges an Vorräten habe ich mir zwar aus der Heimat mitgebracht (meine Backpacker-Skills vom Pacific Crest Trail zahlen sich beim Platzsparen eben aus!), aber das frische Einkaufen vor Ort klappt super. Und das Schönste? Eine ganz besondere, herzliche Tradition hat überlebt: Als Wanderer bekommt man beim Einkauf oft noch immer eine Banane gratis geschenkt. Eine kleine, unglaublich liebenswerte Geste aus der Vergangenheit, die mir jedes Mal ein riesiges Lächeln ins Gesicht zaubert!
Wenn das Wetter eine Pause erzwingt: Meine „Zerodays“ im Norden
Nach der herrlich sonnigen Zeit im Kerlingarfjöll hat das isländische Wetter erst einmal beschlossen, eine kräftige Pause einzulegen. Die Bilder aus den sonnigen Phasen täuschen nämlich ein bisschen: Meistens ist es grau, windig und es nieselt. Selbst die Einheimischen sagen, dass dieser Juni ungewöhnlich kalt ist – die Temperaturen klettern oft nicht mal über die 10-Grad-Marke und die Hochlandpisten sind alle noch gesperrt, weil der Schnee einfach noch nicht weggeschmolzen ist.
Am 17. Juni habe ich deshalb spontan etwas eingelegt, das ich von meinem großen Abenteuer auf dem Pacific Crest Trail 2022 kenne: Einen Zeroday! Diese Tage waren bei all der Anstrengung, vier Monate lang ununterbrochen zu wandern, so unglaublich wichtig zum Regenerieren.
Mein isländischer Zeroday sah so aus: Nach einer kleinen Stippvisite durch Akureyri habe ich mich in den gemütlichen, warmen Aufenthaltsraum meines kleinen, spacigen Hotels mit WLAN zurückgezogen. Zeit zum Ausspannen, Erholen und um die Bilderflut von Actioncam, Handy und Drohne zu sichten und auszusortieren, damit der Speicherplatz nicht überquillt. So lässt es sich auch bei Schmuddelwetter wunderbar aushalten! Außerdem tat es gut, die Wettervorhersage zu studieren, um die nächsten Ziele so zu planen, dass ich hoffentlich an den schönsten Orten bin, wenn sich die Sonne mal wieder zeigt.
Auch der 19. Juni startete erst mal mit gemütlichem Bildersortieren am Laptop, denn der Himmel dachte gar nicht daran aufzuklaren. Aber wisst ihr was? Man nutzt einfach aus, dass man die Zeit hat, um schlechtes Wetter auch mal entspannt auszusitzen! Nach einer kurzen, frischen Vormittagswanderung habe ich mir ein herrlich warmes Schwimmbad mit einem Hot Pot gesucht, um den Regennachmittag optimal zu verbringen.
Es tut so gut, die Seele baumeln zu lassen, die Akkus aufzuladen und sich von der Kälte nicht die Laune verderben zu lassen. Schließlich wartet da draußen schon das nächste ganz große Abenteuer auf mich – und dafür bin ich nun bestens gerüstet!
Gute Nacht, ihr Lieben, macht es euch gemütlich und bis ganz bald!
20. Juni in Laufas, 21. und 22. Juni auf Grimsey
Magisches Grímsey: Wo die Puffins wohnen und die Sonne niemals schläft
Die vergangenen Tage waren geprägt von dem genauen Gegenteil zu Deutschland. Während sich dort eine Hitzewelle ausbreitet, ist es hier oben meist einstellig mit häufigen Nieselregenschauern. Am 20. Juni lag morgens, als ich nach einer frösteligen und stürmischen Nacht bei gerade einmal 4 Grad wieder aufwachte, sogar Neuschnee auf den Berggipfeln rund um Dalvík! Mein treues Motto ist aber auch bei so einem Wetter: Das Beste draus machen!
Also gab es eine Mischung aus einem Stadtbesuch in Akureyri (der war allerdings schnell erledigt, die Stadt hat nur 20.000 Einwohner), Einkaufen, kleineren Spaziergängen und viel Zeit in einem warmen Schwimmbad. Außerdem standen noch das Heringsmuseum und der restaurierte Hof in Laufás auf dem Programm – mit seinen traditionellen Torfhäusern und der kleinen Holzkirche.

| Der historische Torfhof Laufás, idyllisch am Eyjafjörður im Norden Islands gelegen, ist eines der am besten erhaltenen Beispiele traditioneller isländischer Architektur. Bereits seit der Landnahme im 9. Jahrhundert besiedelt, stammt die heutige Anlage in ihrer charakteristischen Form im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert. Da Holz auf der Insel seit jeher Mangelware war, wurde der Hof im klassischen Torfbær-Stil aus dicken, isolierenden Grassoden und Torf errichtet, die optimalen Schutz gegen das raue subarktische Klima boten. Von außen präsentiert sich Laufás als eine Reihe malerischer, nebeneinander liegender Holzgiebel, doch im Inneren verbirgt sich ein weitverzweigtes Labyrinth: Alle Räume sind durch lange, dunkle Gänge miteinander verbunden. Als wohlhabender Großbauernhof und langjähriger Pfarrersitz bot die Anlage zeitweise Platz für bis zu 30 Menschen. Heute fungiert Laufás als lebendiges Museum unter der Verwaltung des Nationalmuseums, das Besuchern mit originalen Einrichtungsgegenständen, Werkzeugen und engen Schlafgemächern einen authentischen Einblick in das historische Landleben Islands gewährt. |

Und dann hieß es am 21. Juni: Rucksack packen für ein echtes Sehnsuchtsziel. Auf nach Grímsey!
Schon die Anreise mit der Passagierfähre „Sæfari“ über den wilden Eyjafjörður war ein kleines Abenteuer für sich. Der Nordatlantik zeigte sich von seiner unruhigen, rauen Seite, und fast alle an Bord mussten am Ende der dreistündigen Fahrt ihren Mageninhalt der See spenden – ich inklusive, obwohl ich wirklich lange und tapfer durchgehalten habe. Aber wisst ihr was? Das gehört zu einer echten Expedition in die „Arktis“ einfach dazu! Als einziger Teil Islands, der teilweise über dem Polarkreis liegt, gehört Grímsey definitionsgemäß zur Arktis – auch wenn der Golfstrom selbst hier oben ein deutlich milderes Klima erzeugt. Als die kleine, saftig grüne Vulkaninsel mit ihren dramatischen Basalt-Steilküsten vor mir aus dem Dunst auftauchte, war jeder Anflug von Seekrankheit jedenfalls sofort verflogen.
Grímsey ist ein ganz besonderer Flecken Erde – das einzige Fleckchen Islands, das direkt auf dem nördlichen Polarkreis liegt. Hier oben spürt man die wilde, ungezähmte Kraft des Nordens, und gleichzeitig liegt eine unglaubliche Ruhe über der Insel. Es ist ein Paradies für die Seele – und für tausende Puffins!
Wer hier keine dieser drolligen Kerlchen und Frauchen sieht, ist wirklich blind. Sie bevölkern die Klippen und man kann sich ihnen bis auf wenige Meter nähern, ihren „Seevogel-Duft“ schnuppern und einfach nur staunen. Während die anderen Fotografen mit riesigen, schweren Objektiven über die Insel wanderten (mit dem Gewicht bin ich früher durch ganz Amerika marschiert!), habe ich die kleinen Kobolde einfach mit purer Freude im Herzen beobachtet.
Ich bin kreuz und quer im Zickzack über die ganze Insel getigert, um jeden Winkel aufzusaugen – auf der kleinen Insel mit ihrer größten Ausdehnung von 3,8 km sind auf diese Weise dennoch stolze 26 km zusammengekommen. Und dann kam er: der magische Moment der Sommersonnenwende am 21. Juni. Die Einheimischen haben mir erzählt, dass es seit Jahren das erste Mal wieder eine so makellose Mitternachtssonne zur Sonnenwende gab.
Ich hatte also ganz viel Glück und habe dies mit großer Freude genossen! Gegen Mitternacht stand ich an den Klippen, getaucht in ein endlos langes, warmes, unglaublich romantisches Licht, das die ganze Welt verzauberte. Inmitten dieser arktischen Kulisse – unweit des großen, kreisrunden Kunstwerks „Orbis et Globus“, das die wandernde Linie des Polarkreises markiert – stand die Zeit für einen Moment einfach still.
Neben der atemberaubenden Natur sind es aber vor allem die warmherzigen Begegnungen, die meine Reisen so reich machen. Es ist so schön, wie schnell man hier oben ins Gespräch kommt und Lebensfreude fließt! Da war zum Beispiel das französische Mädel mit ihrem kleinen Nissan Micra samt Dachzelt. Sie hatte am Vortag neben mir übernachtet und war mit derselben Fähre auf die Insel gekommen. Im gemütlichen Café in Sandvík, dem einzigen, winzigen Ort auf der Insel, lernte ich sie dann kennen, während ich mich durch die wunderschönen, handgestrickten Islandpullover probierte (hach, es hat mich gepackt und ich habe tatsächlich einen wirklich schönen Begleiter gefunden – die Frauen der Insel stricken in den Wintermonaten einfach so fleißig!). Sie hat mit einem großen Kamerarohr die Seevögel fotografiert und will mir einige ihrer schönen Aufnahmen zur Verfügung stellen, denn ein richtiges Teleobjektiv zum Heranzoomen der Vögel habe ich selbst gar nicht dabei.
Oder der liebe Herr aus Kalifornien mit indischen Wurzeln, der mich ganz fasziniert auf meinen Rucksack und das Wandern ansprach. Und nicht zu vergessen meine Zeltnachbarn: zwei junge Männer aus Montana auf ihrer Hochzeitsreise. Als sie hörten, dass ich schon zu Fuß durch Amerika gewandert bin, sprudelten die Fragen nur so über! Meine Reisen leben einfach von solchen Begegnungen – da fließen neue Impulse und so viel Lebensfreude, es ist eine echte Bereicherung.
Bei der Rückfahrt fehlte nicht mehr viel und es hätte für mich nochmals Mitternachtssonne gegeben. Die Fahrt mit der Fähre verlief dieses Mal zum Glück so ruhig und schön, dass es mir sehr gut gefallen hat und ich sie sogar richtig gut vertragen konnte. Diese Zeit auf Grímsey, das romantische Licht der Mitternachtssonne und die drolligen Puffins werden für immer ganz tief in meiner Erinnerung verankert bleiben.
Nun sag ich wieder einmal gute Nacht, ihr Lieben! Ich krieche glücklich in meinen Schlafsack und freue mich schon auf ein neues, spannendes Ziel morgen!
24. Juni 2026 – Ein Tag im Grau mit ganz viel Herz, heißem Badepool und frischer Wäsche
Tja, was soll ich sagen? Ein weiterer Tag in feinstem Island-Grau begrüßt mich heute. Aber wisst ihr was? Was soll’s! Heute machen wir einfach das Beste draus, denn auf dem Plan steht ohnehin ein richtiger Wasch- und Badetag. Und wer hier so wie ich in einem winzigen Gletscherfloh unterwegs ist, der weiß: Auch das kann ein absolutes Highlight sein, denn Waschen geht nur eingeschränkt und Wäsche ist auch nicht gerade unbegrenzt mit dabei – muß also irgendwann nach spätestens drei Wochen auch mal gemacht werden!
Ich hatte im Vorfeld schon ausgekundschaftet, dass der örtliche Campingplatz Waschmaschinen und Trockner auch für Nicht-Gäste anbietet. Mein perfekter Masterplan für heute: Da die Therme erst um 10:00 Uhr öffnet, schaue ich einfach vorher kurz beim Campingplatz vorbei und checke die Lage.
Gesagt, getan! Ein total netter junger Mann hat mich direkt eingeweiht, wie das Ganze hier läuft. Deal steht: Ich gehe erst entspannt baden, komme danach zurück und kümmere mich um die Schmutzwäsche. Perfekt! Also trollte ich mich mit meinen Badesachen im Gepäck gut gelaunt hinüber zum Geosea-Geobad
Endlose Weiten, Wal-Hoffnung und plötzlich ... Trubel!
Das Geobad ist wirklich ein Traum. Wunderschöne, heiße Pools, ein herrliches Dampfbad und die obligatorische Pool-Bar darf natürlich auch nicht fehlen. Kaum hatte ich mich geduscht und fing gerade an, die absolute Ruhe aufzusaugen, glitt mein Blick auch schon über das spiegelglatte Wasser des Fjords – dessen Namen ich übrigens beim besten Willen weder aussprechen noch fehlerfrei schreiben kann (Skjálfandi)! Ausblick pur. Ich habe sogar insgeheim auf eine Walsichtung gehofft. Draußen auf dem Fjord zogen die Schiffe mit ihren neugierigen Gästen vorbei, das rasante Schnellboot ebenso wie das lautlose Elektroschiff.
Doch die idyllische Ruhe war schlagartig vorbei, als gefühlt ein ganzer Reisebus voller Touristen direkt in den Pools ausgekippt wurde. Knall auf Fall war es vorbei mit der Stille! Plötzlich kam richtig Leben ins Wasser und an der Bar steppte schon um 11:00 Uhr vormittags der Bär.
Boahhh, wenn ich um diese Uhrzeit schon Alkohol trinken würde, könnte ich mich direkt wieder schlafen legen! (lacht)
Für mich gab es stattdessen drei Becher herrlich kühles isländisches Leitungswasser, das hier völlig kostenlos ausgeschenkt wird.
Schöne Begegnungen und die Sache mit den Schwimmhäuten
Nach einer Weile kam ich mit der lieben Petra aus Wien ins Gespräch. Ich liebe solche unerwarteten Begegnungen auf Reisen einfach! Sie macht gerade eine einwöchige Kreuzfahrt ab Reykjavík – alles inklusive. Aber Leute, ihr wollt gar nicht wissen, was das gekostet hat! Da sie jahrelang keinen Urlaub hatte, wollte sie sich einfach mal was richtig Schönes gönnen. Petra verwaltet eine Stiftung, die Tierschutzprojekte unterstützt – eine wahnsinnig spannende und tolle Sache. Wir haben uns so wunderbar festgequatscht, dass mir bis zu unserem Abschied wahrscheinlich schon beinahe Schwimmhäute gewachsen sind!
Geduldsprobe am Waschsalon und ein frostiges Nachtlager
Gegen 13:00 Uhr war ich schließlich zurück bei meiner Wäsche. Die Maschine war schnell befüllt, aber dann hieß es erst einmal: Geduld haben. Satte drei Stunden wollte das gute Stück von meiner Zeit haben! Na gut, wenn das so sein soll, dann nutzen wir die Zeit eben sinnvoll. Ich habe das Auto aufgeräumt, gemütlich gegessen, bin ein wenig in den Ort geschlendert und habe gestrickt.
So war es schon früher Abend, bis alles wieder frisch gewaschen, duftig getrocknet und ordentlich im "Flohkoffer" verstaut war. Es war trotz des grauen Wetters ein absolut außergewöhnlicher und produktiver Tag!
Zum Schlafen bin ich nun noch ein ganzes Stück weitergefahren, bis kurz vor die großen Wasserfälle Hafragilsfoss und Dettifoss. Ich stehe hier jetzt auf einem einsamen Parkplatz, umgeben von den letzten Schneeresten und gefühlt direkt unter der Wolkendecke.
Ich sage für heute gute Nacht und wünsche uns allen einen wohlbehüteten Schlaf!