Übersichtskarte Hornstrandir & Ísafjörður – Sommerwende.de
Hornstrandir, das zweite Mal
- Sonntag, 30. August 2026
- Überfahrt mit der Fähre am Nachmittag nach Veiðileysufjörður
- Zeltaufbau im ersten Camp (keine große Wanderung, nur Anreise)
- Überfahrt mit der Fähre am Nachmittag nach Veiðileysufjörður
- Montag, 31. August 2026 – 1. Wandertag
- Wanderung von Veiðileysufjörður über den Pass nach Hornvík (~5 Stunden)
- Nachmittag: Weiterwanderung zum Camp am Horn (~2 Stunden)
- Wanderung von Veiðileysufjörður über den Pass nach Hornvík (~5 Stunden)
- Dienstag, 1. September 2026 – 2. Wandertag
- Vormittag: Rundwanderung um das Horn (Klippen von Horn, Fuchssichtungen, ~4–5 Stunden)
- Nachmittag (~15:00 Uhr): Wanderung zum Pass auf der Nordostseite
- Abend (~18:00 Uhr): Aufbau des Zeltes und Wanderung entlang des schwarzen Strandes zurück nach Hornvík (~2 Stunden)
- Vormittag: Rundwanderung um das Horn (Klippen von Horn, Fuchssichtungen, ~4–5 Stunden)
- Mittwoch, 2. September 2026 – 3. Wandertag & Abreise
- Morgen/Tagsüber: Wanderung von Hornvík zurück zur Bucht (Veiðileysufjörður)
- 16:00 Uhr: Ankunft am Anleger
- Nachmittag/Abend: Rückfahrt mit dem Boot nach Ísafjörður
- Morgen/Tagsüber: Wanderung von Hornvík zurück zur Bucht (Veiðileysufjörður)
03.09.2026 - Zurück von Hornstrandir, wieder in Isafjördur
Seit gestern Abend bin ich nun zurück aus Hornstrandir,gesund und voller Eindrücke und Gefühle.
Gestern gut am Fähranleger angekommen. Allerdings: Nur gut, dass wir 1,5 Std. früher am Anleger waren, die wollten schon wieder wegfahren, weil sie oder wir eine falsche Zeit angegeben hatten. Die Jungs, die mich begleitet haben, waren nicht mal auf der Liste.
Aber hier nun mein Bericht von Hornstrandir
30. August: Gestartet hatte ich den Ausflug in dieses so wunderbare, wilde Naturschutzgebiet am Sonntagnachmittag. Es ging mit dem Fährboot hinüber nach Veiðileysufjörður (Den Namen kann doch kein Mensch aussprechen, geschweige denn sich merken, lach). Drei Leute wurden mit mir dort abgesetzt, allerdings wanderten sie sogleich los, denn der Weg sollte lang werden für sie. Ich bin mir nicht sicher, ob das die beste Entscheidung war und ob sie gut informiert waren. Sei's drum, mir kam es gelegen, denn so hatte ich das Camp ganz für mich allein. Es gab tatsächlich nicht viele flache Plätze, um ein Zelt aufzustellen – Wildnis halt, und ohne Handyempfang. So war das für mich, und es ist immer wieder ein Moment tiefer Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur. Ein kleiner Tropfen, aber auch der ist der Ozean. Ganz im Hier stellte ich mein Zelt am "besten Platz" auf. Die Sonne schien, und es fühlte sich gar nicht so kalt an, solange man in Bewegung ist 😉. Wasser gab es an den zahlreichen kleinen Quellen, und besseres Wasser gibt es wohl kaum – es schmeckt nach Klarheit 😊.
Das Abendessen schmeckte eher nur dank der Natur um mich herum so lecker. Die Fischsuppe am Mittag war bedeutend schmackhafter. Die Sinne essen mit, und darum ist meine kleine Outdoorwelt rund und selig. Die Sonne ging hinter dem Berg unter, die Flut kam, und es wurde merklich kälter – angesagt waren Temperaturen von 2 bis 3 Grad in der Nacht und 7 bis 10 Grad am Tag. Die kurze Hose habe ich im Auto gelassen und dafür alles, was wärmt, eingepackt. So kuschelte ich mich warm in den dreilagigen Schlafsack und hielt einen heißen, dampfenden Becher Tee in Händen. Was für ein Geschenk, hier zu sein, ging es mir wieder und wieder durch den Kopf. Jetzt könnte ich sagen, ich fühle die Freiheit – aber nein, Freiheit fühle ich häufig und unabhängig von solchen Abenteuern. Ich fühle mich dankbar und beschenkt, neugierig auf das, was mich die kommenden Tage erwartet.
Ich will mich überraschen lassen, denke aber, dass ich gut vorbereitet bin und die Herausforderung einschätzen kann. Unvorhergesehenes ist im Kopf abgespeichert, und Plan B und C stehen wie immer bereit. So schlief ich ein und durch, bis der neue Tag anbrach. Der Morgen startete mit dichter Bewölkung – die Gipfel, die gestern Abend noch in der Sonne glänzten, waren dicht verhangen. Mystisch mutet diese Landschaft ohne Sonne an. Das Zelt war nass von innen wie außen, aber bis ich gefrühstückt hatte, konnte alles fast trocken wieder eingepackt werden.
31. August: Start in den ersten Wandertag, mit Ziel nach etwa fünf Stunden am Campingplatz in Hornvík. Zunächst folgte der Pfad der Küste bis zum Ende des Fjords – bei Ebbe gut zu gehen, und ich hatte gerade noch Glück. Das Wasser kam, aber ich war schneller; nur an ein paar Stellen musste ich in den Hang ausweichen. Am Ende des Fjords lag auch die Mündung eines Flusses, der in tollen Kaskaden den Berg herunterkam. Dem folgte der Pfad eine Zeit lang, um dann in steinigeres Gelände zu wechseln. Steinmänner markierten den Trail, allerdings gehört schon einige Aufmerksamkeit dazu, den Pfad nicht zu verlieren. So ging es bergan und wurde zum Pass hin noch steiler, bis ich endlich, fast oben, eine ausgefuchste Begegnung hatte: Der kleine Kerl hatte sich zum Schläfchen niedergelassen. Ich schlich mich an und konnte ein paar niedliche Fuchsbilder machen.
Oben am Pass, komplett in Wolken, ging ich zügig weiter, denn es fusselte feuchte Sonne vom Himmel. Der Wind hatte aufgefrischt, und es war reichlich kalt – für lange Pausen nicht geeignet. So kam ich schon recht zeitig am Camp an, gegen 13:30 Uhr. Die Rangerin empfing mich fröhlich, und wir besprachen die Optionen, die zur Verfügung standen. Zunächst machte ich mir etwas zu essen, um danach doch noch weiterzuwandern bis zum Camp am Horn. Von dort aus könnte ich morgen eine tolle Wanderung machen und am Abend hierher zurückkehren.
Alla hopp, so machte ich mich gestärkt wieder auf den Weg. Winkte noch einmal der Rangerin zu, und wie es aussah, machte auch sie sich auf den Weg. Die werden jetzt doch nicht die Winterpause einläuten, überlegte ich. Ja klar – morgen ist der 1.9., die Saison ist zu Ende. Ohaaaa, das hatte ich nicht auf dem Schirm, das erklärt auch die wenigen Besucher inzwischen.
Da noch keine Ebbe war, musste ich einen Umweg machen – allerdings einen sehr schönen, durch Dünen und Feuchtgebiete. Am Ende eine Flussdurchquerung, und die hatte es in sich: nicht sehr tief, aber weit. Ich Dussel trödelte herum, und die Füße wurden kälter und kälter. Boah, das tat weh, und zwar richtig – ich traute mich kaum, sie vor lauter Schmerz danach abzutrocknen. Auch die ersten Schritte danach waren echt übel, na ja, gehört dazu 😉. Es war noch einmal eine herrliche Wanderung von etwa zwei Stunden bis zum nächsten Camp. Dort standen zwei Tipis, die von Bauarbeitern am Trail genutzt werden. Sonst gab es dort nur das Toilettenhäuschen mit wieder bombastischer Aussicht auf den Fjord. Das Zelt war flott aufgebaut, Wasser gab es am Bach, und die Sonne ließ sich auch noch blicken nach dem eher trüben Tag mit allerdings recht freier Sicht. Nach der langen Wanderung war ich früh eingeschlafen. Jäh aus dem Schlaf gerissen, kamen ständig heftige Sturmböen und drückten mächtig gegen das Zelt. Das war eine unruhige Nacht, und ich überlegte ernsthaft, ob ich überhaupt tagsüber im Zelt bleiben könnte – wenn ich nicht drin liege, hatte ich Angst, es fliegt davon. Gott sei Dank ließ der Wind gegen Morgen nach, sodass ich etwas länger schlafen und das Zelt an Ort und Stelle belassen konnte.
1. September: Die Wanderung sollte eine Runde um das Horn werden, etwa vier bis fünf Stunden. Danach vielleicht, wenn die Zeit reichen sollte, noch hinauf auf einen Pass, um von dort den Leuchtturm und die Küste zu bewundern.
Der Pfad führte durch feuchte Torflandschaft hinauf in die grünen Flanken der Klippen von Horn. Immer wieder tauchten im Aufstieg kleine Seen auf, und der Pfad verlief mit schönen Aussichten. Oha, denke ich, was läuft denn da – jaaaaa, freuu, ein Polarfuchs! Den wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und genoss das Schauspiel. Tatsächlich lief er zu seinem Futterplatz, wo er anfing, die Reste einer Möwe zu verspeisen. Es war gut zu sehen, wie er nagte und an dem Kadaver zerrte. Damit hatte ich nicht gerechnet, ließ meine Stöcke liegen und schlich mich vorsichtig an. Nun ist meine Wanderkleidung in Pink nicht die beste Tarnung 😉, also gab es keine Deckung für mich. So kam es, dass er mich natürlich bemerkte und versuchte, mich von der Futterstelle wegzulocken. Meine Wanderstöcke weckten seine Neugier, und nach kurzem Schnüffeln zog er flott weiter. Da kam plötzlich, nahe der Futterstelle, ein weiterer Fuchs aus dem Bau und wollte seinem Partner hinterherlaufen. Nach etwa 200 Metern blieb er stehen und legte sich einfach zum Schlafen hin. Abermals schlich ich mich ganz vorsichtig und langsam in seine Nähe. Er sah mich an, zeigte aber keine Scheu und blieb liegen, sodass ich tatsächlich bis auf etwa 1,5 Meter an ihn herankam und tolle Fotos und Videos machen konnte. Nach diesem wirklich wunderschönen Fuchskino wollte ich aber auch nicht zu lange stören und machte mich auf den Weiterweg.
Die schönen Bilder im Kopf begleiteten mich, bis sie durch spektakuläre Ausblicke auf die Klippen abgelöst wurden. So eine tolle Wanderung – schade, dass die Papageientaucher schon abgereist waren. Ich kann mir gut vorstellen, wie toll es hier zusammen mit den putzigen Tieren sein muss. Dafür begegnete mir aber den ganzen Vormittag keine Menschenseele. Zurück am Camp machte ich Mittagessen und ein kleines Nickerchen.
Gegen 15 Uhr ging es dann noch einmal zum Pass in die andere Richtung, um die zerklüftete Küste der ganzen Nordostseite des Naturschutzgebiets zu bewundern. Die Sicht war frei, wenn auch ohne Sonne. Der Pfad war recht einfach zu gehen, ohne technische Herausforderungen – da war das am Vormittag auf den Klippen am Horn schon anders. Hmmm, denke ich, was ist das da oben auf dem Kamm, da winken Leute? Ja doch, die winken mir, denke ich, und es sah aus, als würden sie auf mich warten.
Da kamen sie mir sogar entgegen und waren voller Freude, einen Menschen zu treffen. Das junge Paar aus China erzählte mir, ich sei der erste Mensch, den sie sähen, seit sie gestern hier angekommen seien. Sie erzählten von ihrer Wanderung und dem schweren Gepäck, sodass sie heute ohne Gepäck die drei Kilometer hier auf den Kamm gewandert waren. Die junge Frau erschien mir nicht sehr angetan von ihrem Abenteuer hier auf Hornstrandir. Ich vermute, sie waren in ihrem Leben noch nie einen Tag ohne andere Menschen um sich gewesen. Sie hatten allerlei Fragen, und als klar wurde, dass sie am nächsten Tag einen Fluss durchqueren mussten – egal wie oder was, ob Ebbe oder Flut –, war ihnen das Unbehagen deutlich anzumerken. Die Ausrüstung war völlig neu und zeugte von keinerlei Erfahrung in einer Wildnis wie dieser. Tja, da müssen sie jetzt durch – hoffentlich verderben sie sich nicht die Lust an weiteren Erlebnissen in der Natur.
Nach noch einmal tollen Begegnungen mit zwei Füchsen, die auch sehr neugierig nahe herankamen, und wunderbaren Fotos und Videos, wurde es Zeit zum Aufbruch und zur Rückkehr zum Zelt. Bergab, auf einem so einfachen Trail, bin ich immer angetan, ein bisschen zu rennen, und so war ich bald unten am Camp. Etwas naschen und Wasser trinken, mehr nicht. Danach Zelt aufbauen, denn es war mittlerweile 18 Uhr und nahe der Ebbe – gut für mich, um trockenen Fußes über den Strandweg nach Hornvík zu gelangen, meinem Platz für die letzte Nacht in dieser spektakulären Natur.
Es wurden noch einmal zwei tolle Wanderstunden entlang eines ganz wunderbaren, tiefschwarzen Strandes. Die Wellen rollten in gleichmäßiger Melodie an den Strand, und der leichte Wind streichelte mich sanft, wenn auch kalt 😉. Im Camp gab es zwei weitere Zelte: zwei deutsche junge Männer und einen jungen Mann aus Pakistan, der in den USA lebt. Sein Zpacks-Zelt hatte ihn mir schon verraten, und ich musste schmunzeln, als er bestätigte, dass es nicht ganz das Richtige für Island sei. Es war aber seine erste längere Wanderung von drei Tagen – also auch ohne Erfahrung, und so hielt sich seine Begeisterung auch in Grenzen. Wir hatten ein nettes Gespräch, und dann wollte ich aber doch zügig mein Zelt aufstellen und Essen zubereiten. Um 22 Uhr schlief ich warm eingemummelt ein und dank einer windstillen Nacht auch richtig ruhig.
2. September: Wen wundert's, dass ich am nächsten Morgen, dem letzten hier, super ausgeschlafen aufwachte. Kaffee gekocht und Frühstück gemacht – da kamen zwei Füchse auf der Suche nach Futter durchs Camp gelaufen 😊. Auch die beiden Deutschen, Stefan und Francesco, durfte ich kennenlernen. Wir würden gemeinsam in der Bucht, deren Namen ich nicht aussprechen kann, auf das Boot warten. Wir trafen uns allerdings schon auf der Wanderung dorthin. Das Wetter war ganz auf unserer Seite, sogar die Sonne zeigte sich hin und wieder. Ich musste schmunzeln, als ich die Schuhe von Francesco sah und vor allem, wie sich ihr Aussehen im Laufe des Tages immer mehr dem eines Stiefels für eine Mondexpedition annäherte. Am Ende der Wanderung bestanden sie größtenteils aus silbernem Panzertape 😉. Die Sohlen hatten sich abgelöst, und mich erinnerte das Ganze an den PCT, lach. Ich hatte gut lachen, denn meine Schuhe haben zwar Hornstrandir überlebt, aber von trockenen Füßen sind sie weit entfernt. Die vielen scharfen Lavasteine haben die Sohlen so zerschnitten, dass sie inzwischen wie ein Schwamm bei jedem Schritt die Feuchtigkeit aufsaugen. Sie haben jetzt ihr Ende erreicht und dürfen in die Tonne – immerhin haben sie das Hochland überstanden, und das war schon ein kleines Wunder. Sind halt Trailschuhe mit weicher Sohle, und ich liebe meine Altras nach wie vor.
Wir kamen um 16 Uhr am Anleger an und freuten uns auf eine deftige Mahlzeit, bevor uns das Boot um 17:30 Uhr abholen sollte. Pustekuchen – das Boot war schon in der Bucht, und das Zodiac kam auf uns zu. Häää, was, irgendwas stimmte nicht. Nun ja, Hauptsache wir kamen hier weg – und ja, sie kamen wegen mir. Die beiden Jungs waren nicht mal auf der Passagierliste. So stellte sich heraus, dass falsche Zeiten eingetragen waren. Die Fahrt ging dann zur Abholung weiterer Passagiere nach Hesteyri und dann in den Heimathafen Ísafjörður.
Mein Tag endete mit einem Burger und Pommes im Húsið, einem Restaurant in der Stadt. Danach ging es weiter nach Þingeyri, wo ich auf dem Weg dorthin einen Nachtplatz mit toller Aussicht fand. Müde und glücklich schlief ich nach Sonnenuntergang ein. 
03. September: Eine sehr gut geschlafene Nacht, und am Morgen dann zeitig ins Schwimmbad, wo man mich ja schon kannte. Ein Kaffee mit den Einheimischen, Schwimmen und Wäsche waschen, Bilder und Filme sichern, meinen Bericht schreiben. Ein ruhiger Tag hier auf dem Campingplatz, und das Wetter auch noch ganz gut, trocken und etwas windig.
Hornstrandir, die Erste – Wanderbericht und eine besondere Begegnung
29.08.2026 – Samstag: Noch einmal Hornstrandir
Ein wunderbarer Nachtplatz mit Blick auf den Strand und die Fjordlandschaft – so endete gestern mein Tag. Schöne, kurze Strandwanderungen und tolle Ausblicke. Drohnenflüge, die uns sicher noch viele Oh- und Ahh-Momente verschaffen werden.
Heute dann eine Entscheidung, wie die nächsten Tage aussehen können. Der Wettergott hat ein Einsehen mit mir und will mich beschenken: Das Wetter soll in den kommenden Tagen noch einmal trocken und teils sonnig werden. Zwar gehen die Temperaturen nicht mehr in den zweistelligen Bereich, aber was soll's. Andrea, sag ich zu mir, los, komm, mach's, buch das Ticket. Noch einmal alles im Geiste durchgegangen, und dann: Jaaaaaaaa …
Ticket für das Boot gebucht, das mich noch einmal nach Hornstrandir bringen wird – eine andere Anlegestelle, einen Fjord weiter. Eine einsame Bucht und Startpunkt für meine dreitägige Wanderung durch den Nordosten des Nationalparks. Jetzt freue ich mich richtig, noch einmal dort wandern zu dürfen. Das wäre sonst in diesem Leben sicher nicht mehr umzusetzen gewesen – schon die Anreise ist nicht einfach.
Morgen Nachmittag um 16 Uhr fährt das Boot, und am Mittwoch gegen Abend komme ich zurück. Es wird spannend, das kann ich euch jetzt schon versprechen. Und auch wenn dort kein Handyempfang nutzbar ist, habe ich euch doch dabei – die Erzählung nebst Bildern folgt.
Der Rucksack ist gut bestückt mit warmer Kleidung, Schlafsack, Essen, Kochgeschirr und Schlafmatte 😊 – inzwischen muss auch eine Stirnlampe mit. Tatsächlich wird es hier jetzt auch wieder dunkel, und es gab schon die ersten Nordlichter. Ich hab sie verschlafen, werde auf Hornstrandir aber wachsam sein.
***
Gedanken und Erinnerungen
Es waren schöne, intensive Tage mit vielen guten Gesprächen, Gemeinsamkeiten und viel Raum für die Zukunft. Auch wenn noch nicht klar ist, wie es für uns weitergehen kann, ist doch gewiss: Es wird weitergehen. Da haben sich zwei Menschen getroffen, und es ist Liebe da. Nicht so, wie man sie vielleicht aus jungen Jahren kennt, eine Urlaubsliebe. Nein, es ist – für uns beide, die wir ein glückliches Leben führen – die Summe aller Liebesgefühle, und jetzt spreche ich nur für mich: die Summe aller mir vertrauten Liebesgefühle aus meinem bisherigen Leben. Es ist, als schaust du in einen Spiegel und siehst Vertrautes und Neues, Spannendes gleichermaßen. Es ist Neugier und Wissen, die sich zu einer neuen Komposition finden. Ich freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt, Hand in Hand mit diesem besonderen Menschen.
Nein, keine Angst, ich wandere nicht aus – und dennoch darf es ein paar Veränderungen geben.
Inzwischen ist Scott wieder zu Hause und bereitet sein nächstes Arbeitsprojekt vor. Wir passen wunderbar zusammen: er, der Rennfahrer, und ich, die Weitwanderin (lacht ruhig, ich lache mit) – und in meinem nächsten Leben werde ich sowieso Rennfahrerin, verborgene Talente ausleben.
Jetzt möchte ich einfach Danke sagen. Danke dem Universum, dass es in meinem Leben immer wieder Türen geschlossen und neue geöffnet hat. Wir wachsen heran zu dem, was wir sind, und ein Sprichwort besagt: „Das Beste kommt zum Schluss.“ Wenn aus ganz viel Gutem dann das Beste wird, dann hat das Konzert seinen Höhepunkt erreicht.
Island intensiv hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen – noch einmal mehr, als es sie sowieso schon hatte.
***
15.08.2026 – Ein gemeinsamer Tag in Hornstrandir
Am nächsten Morgen hatten wir keine Zeit für Gedanken, es musste alles laufen, Frühstück inklusive. So standen wir um 8:30 Uhr zur Abfahrt bereit im Hafen. Ich hatte ein Medikament gegen Übelkeit eingenommen, und so wurde die Überfahrt angenehm. Still saßen wir nebeneinander, und ich konnte seine Wärme spüren. Er legte den Arm um mich, und so saßen wir eine Stunde lang warm aneinandergeschmiegt und in unsere eigenen Gedanken versunken – die sich, wie wir später feststellten, im Übrigen sehr ähnlich waren.
Es wurde ein traumhaft schöner Tag, das Wetter wie für Liebende gemacht. Eine kleine Wanderung mit Polarfuchsjungen beim Mittagsschlaf, tolle Aussichten, und später die leckeren Pfannkuchen – ein gelungener Tag voller Natur und Innigkeit.
An diesem Abend, zurück im Camp, war es an mir, Scott zu fragen, ob ich diese Nacht sein Zelt mit ihm teilen dürfte. Das Witzige: Der Engländer hat tatsächlich ein Zelt aus Deutschland, und es trägt den klingenden Namen Heimplanet. So wurde das Heimplanet unser Zuhause für weitere Tage und Nächte.
Es waren schöne, intensive Tage mit vielen guten Gesprächen, Gemeinsamkeiten und viel Raum für die Zukunft. Auch wenn noch nicht klar ist, wie es für uns weitergehen kann, ist doch gewiss: Es wird weitergehen. Da haben sich zwei Menschen getroffen, und es ist Liebe da. Nicht so, wie man sie vielleicht aus jungen Jahren kennt, eine Urlaubsliebe. Nein, es ist – für uns beide, die wir ein glückliches Leben führen – die Summe aller Liebesgefühle, und jetzt spreche ich nur für mich: die Summe aller mir vertrauten Liebesgefühle aus meinem bisherigen Leben. Es ist, als schaust du in einen Spiegel und siehst Vertrautes und Neues, Spannendes gleichermaßen. Es ist Neugier und Wissen, die sich zu einer neuen Komposition finden. Ich freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt, Hand in Hand mit diesem besonderen Menschen.
Nein, keine Angst, ich wandere nicht aus – und dennoch darf es ein paar Veränderungen geben.
Inzwischen ist Scott wieder zu Hause und bereitet sein nächstes Arbeitsprojekt vor. Wir passen wunderbar zusammen: er, der Rennfahrer, und ich, die Weitwanderin (lacht ruhig, ich lache mit) – und in meinem nächsten Leben werde ich sowieso Rennfahrerin, verborgene Talente ausleben.
Jetzt möchte ich einfach Danke sagen. Danke dem Universum, dass es in meinem Leben immer wieder Türen geschlossen und neue geöffnet hat. Wir wachsen heran zu dem, was wir sind, und ein Sprichwort besagt: „Das Beste kommt zum Schluss." Wenn aus ganz viel Gutem dann das Beste wird, dann hat das Konzert seinen Höhepunkt erreicht.
Island intensiv hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen – noch einmal mehr, als es sie sowieso schon hatte.
14.08.2026 – Ísafjörður und Begegnung mit Scott
Am nächsten Morgen hatte ich Zeit, denn die Geschäfte in Ísafjörður würden erst um 11 Uhr öffnen. So gab es, später als sonst für mich üblich, Frühstück und Kaffee – und siehe da, er kam, und wir tranken unseren ersten gemeinsamen Kaffee. Engländer trinken ja eigentlich eher Tee, aber irgendwie teilten wir gerne den Kaffee am Morgen. Die Unterhaltung war sofort die zweier Menschen, die sich vertraut sind – das war gleich zu spüren. Jeder erzählte von sich und seiner persönlichen Islandreise. Scott – so hieß er – war fünf Tage nach seinem Umzug in ein neues Haus in Poole nach Island gereist, und zwar ohne Rückflugticket. Da war er nun, begeistert von dem Land seiner Wahl.
Die Zeit verflog, und ich musste mich auf den Weg machen. Er wollte später ebenfalls nach Ísafjörður, um ein paar Sachen zu besorgen. Ich hatte ihn mit meiner Schwärmerei von Hornstrandir angesteckt und bot ihm an, mit zum Office zu kommen, wo er sein Tagesticket dorthin buchen könnte. Wir verabredeten uns und tauschten die Telefonnummern aus. Ich freute mich darauf, ihn bald wiederzusehen – und ich glaube, ihm ging es genauso (inzwischen weiß ich es sicher).
Ganz Ísafjörður hatte ich inzwischen umgekrempelt, aber immer noch keine Schlafmatte gefunden – da wird das mit weiteren Tagen in Hornstrandir wohl nichts. Nun ja, ist halt so, und das will akzeptiert sein. Ich überlegte, eine zu bestellen, besprach mich mit Gerald, und er orderte mir eine, die hierher zur Post geschickt werden sollte. Das würde ein paar Tage dauern, aber gut – dann wäre ich wieder frei, zu entscheiden, ob ich noch einmal hinüberfahre.
Ein paar Einkäufe bei Netto, und wen treffe ich da: die beiden Österreicher, die mich wegen ihres überfüllten Autos nach meiner Hochlanddurchquerung nicht hatten mitnehmen können. Das war noch einmal eine Freude, die beiden wiederzutreffen. Wir gingen gemeinsam zum Mittagessen und hatten wirklich viel zu erzählen – natürlich auch über die großen Wanderungen in Amerika und Neuseeland. Es war kurzweilig, und dann meldete sich Scott und kam ins Restaurant. Die beiden verabschiedeten sich, und Scott und ich blieben noch, bis auch er gegessen hatte.
Auf dem Weg zum Office war da plötzlich so viel Nähe, dass es mich ein wenig verunsicherte. Es hatte über zehn Jahre keine Gefühle in diese Richtung in meinem Leben gegeben. Es war ungewohnt, aber schön, und so war ich nicht abgeneigt, als er mich fragte, ob ich am nächsten Tag mit ihm nach Hornstrandir kommen möchte. Ich willigte ein, und so war schon einmal klar: Am nächsten Tag würden wir einen gemeinsamen Tag in wundervoller Natur verbringen. Meine ohnehin nicht vorhandenen Pläne waren schnell geändert, und da das Boot am Morgen um 9 Uhr ablegt, war der Campingplatz vor Ort die beste Wahl.
Scott fuhr zurück nach Þingeyri, packte sein Zelt ein und kam am Abend ebenfalls auf den Campingplatz. Wir kochten und unterhielten uns sehr gut – was wir gegessen haben, habe ich ehrlich gesagt schon wieder vergessen.
Zur guten Nacht nahm er mich in die Arme und bot mir an: Falls es mir im Auto nicht gefiele, könnte ich gerne zu ihm ins Zelt kommen. Ich antwortete, das sei lieb, aber es passe schon in meinem schönen Campervan Gletscherfloh. Der erste zarte Kuss zum Abschied.
Ich lag noch lange wach, er wohl auch. In meinem Kopf sausten die Gedanken: über zehn Jahre nicht geküsst, keine Intimitäten, keine Liebesgefühle – und jetzt kommt er. Es war gut so, wie es war, glücklich mit meinem Leben und den Gefühlen darin. Eine Fülle, reich gesegnet mit guten Freunden und einer geliebten Familie. Einen Partner hatte ich mir nicht mehr vorstellen können, ich vermisste auch nichts – und jetzt drehte sich alles. Puh … die Gedanken kreisten, doch dann holte mich die Schlaffee ab.
13. August 2026 – Entscheidung zur Umkehr und Rückweg nach Hesteyri
Am nächsten Morgen beschäftigte mich vor allem die Ausrüstungslage: Nach dem Kaffee wurde mir klar, dass auch mein Gas nicht bis Sonntag reichen würde – die kleine Kartusche hielt zwar, doch bei Wind verbrauchte der Kocher deutlich mehr. Ich hatte ausgerechnet, dass ich mit der kleinen Gasflasche bislang etwa zweieinhalb Tage über die Runden gekommen war, mit je einem Tee, Kaffee und einer warmen Mahlzeit. Das konnte ebenfalls noch knapp werden.
Dazu regnete es unablässig auf das kleine Zelt, sodass die Hälfte meiner Kleidung bereits nass war. Eine Entscheidung musste her: entweder das schlechte Wetter aussitzen – am Freitag sollte es wieder schön werden –, was der Matte aber nichts nützen würde, oder anders weitermachen. Ich klebte morgens noch ein zweites Patch über die Reparaturstelle, mit einem weiteren Stück Tape. Nach dem Aufpumpen hielt die Luft zunächst wieder etwas besser, verlor sich aber weiterhin – nur langsamer als zuvor. Damit würde es nicht weitergehen.
Der Boden war eisig, und ich hatte in den Nächten zuvor schon mehrfach gespürt, wie unangenehm es ist, mit dem ganzen Körper auf kaltem Untergrund zu liegen. Also traf ich die Entscheidung: Statt weiter Richtung Hornvík zu wandern, wo die nächste Fähre nur außen um die Bucht herum fahren und bei diesem Wetter mit Seegang möglicherweise gar nicht anlegen würde, drehte ich um und wanderte zurück Richtung Hesteyri – im Fjord würde das Wasser voraussichtlich ruhiger sein und die Chancen auf eine Fähre besser stehen. Außerdem gab es dort das Café, in dem ich mich aufwärmen, heiße Schokolade trinken und die berühmten Pfannkuchen essen konnte.
Es regnete weiter, als ich Schuhe und nasse Socken anzog – nach der vorherigen Flussdurchquerung ohnehin schon durchnässt – und alles zusammenpackte. Kurz bevor ich losging, traf ich noch einmal das deutsche Paar, dem ich zuvor schon von einer besonders leckeren Fischsuppe in Hesteyri erzählt hatte. Wir standen kurz im Regen zusammen, dann musste ich weiter, da mir inzwischen sehr kalt war und auch meine Handschuhe durchnässt waren.
Der Marsch führte über 20 bis 22 Kilometer, zunächst durch inzwischen völlig durchweichtes Moor – jeder Schritt bedeutete nasse Füße – und dann bergauf zum Pass. Der Vortag steckte mir noch in den Gliedern, und mit einsetzendem Wind und Kälte war es ein anstrengender Aufstieg. Entgegenkommende Wanderer warnten vor starkem Wind weiter oben. Über die Steine balancierend, war die Strecke ähnlich anspruchsvoll wie am Tag zuvor. Ich kannte die Route bereits und dachte mir zur Ablenkung unterwegs Namen für die zahlreichen Steinmänner aus, die den Weg säumten – wie viele es insgesamt waren, könnte ich nicht sagen, vermutlich etliche auf den rund 20 Kilometern.
Es regnete während der gesamten Wanderung ohne Unterbrechung, dazu kam Sturm. Zum Glück kam der Wind von hinten und schob mich eher voran, als dass er mich behinderte. So kam ich schließlich völlig durchnässt, ohne eine einzige Pause, mit nur einem kleinen Müsli-Frühstück im Magen bis zum Café durch.
Gegen vier Uhr nachmittags erreichte ich Hesteyri. Das Café war völlig überfüllt; der Rucksack musste draußen bleiben, da ohnehin nichts mehr trocken zu retten war. Drinnen bestellte ich zwei Pfannkuchen mit Zucker und Wasser, um mein Energielevel wieder anzuheben, und schilderte einem der Mitarbeiter, der etwas Deutsch sprach, meine Situation: dass der Plan über Hornvík nicht mehr funktioniert hatte und ich zurückgewandert war. Ich fragte, ob überhaupt noch eine Fähre kommen und ob für mich noch ein Platz frei sein würde. Unter solchen Bedingungen, sagte er, gebe es meist noch Reserveplätze; den Skipper könne er zwar gerade nicht erreichen, aber ich solle einfach zur Fähre gehen, die in etwa einer Stunde erwartet wurde.
Nach den Pfannkuchen und einem Kakao zog ich mich um und ging zur Anlegestelle. Dort traf ich erneut das deutsche Paar, das mit seinem Sohn eigentlich zu dritt gebucht hatte; der Sohn war jedoch schon vorher abgereist, weil er nicht mehr weiterwandern konnte. Das übrige Ticket war also frei – und rettete mir buchstäblich den Platz auf der Fähre.
Wegen des Seegangs mussten wir zunächst mit einem Schlauchboot zur Fähre gebracht werden, mit Rucksäcken und allem; kontrolliert wurde dabei kein Ticket mehr, man war offenbar froh, alle sicher von dort wegzubringen. Auf der Rückfahrt wurde mir – trotz vorheriger Sorge und obwohl ich keine Gelegenheit gehabt hatte, vorab eine Tablette gegen Seekrankheit zu nehmen – nicht schlecht. Am Abend erreichte ich wohlbehalten wieder Ísafjörður.
12. August 2026 – Der Tag, an dem es Peng machte: über Hesteyri nach Hlöðuvík
Am nächsten Morgen, dem Mittwoch, dem Tag der Sonnenfinsternis, machte ich mir in Ruhe Kaffee und Frühstück und ließ die Sonne ins Zelt – aber leider nicht nur die Sonne, auch jede Menge Fliegen, die bei Windstille im Nu auftauchten. Und dann, wie von magischer Hand: Peng – und die Luft war raus. Beim Frühstückmachen hatte ich mir kurz zuvor in den Daumen geschnitten, und keine zwei Minuten später klaffte mir von unten ein großer Riss aus der Luftmatratze entgegen. Im Bruchteil einer Sekunde saß ich auf dem kalten isländischen Boden. Zu gerne hätte ich mein verdutztes Gesicht in diesem Moment gesehen, so ungläubig starrte ich auf das dünne, zarte Material. Ich kramte das mitgelieferte Flickzeug heraus, nur um mir klarzumachen: Bei einem Riss von gut 12 Zentimetern, plus noch einmal 5 Zentimetern an der Seite, würde ich mit einem Patch von gerade einmal 5 mal 5 Zentimetern nicht weit kommen. Es war bereits die zehnte oder elfte Nacht auf dieser noch recht neuen, rund 200 Euro teuren Isomatte der Marke Big Agnes.
Mir war schnell klar: Damit würde ich nicht weit kommen. Also beschloss ich, wie ohnehin geplant nach Hesteyri zu wandern, dort einen Kaffee zu trinken, die berühmten Pfannkuchen zu essen und nach einer Schere zu fragen, um mir Streifen aus dem Flicken zurechtzuschneiden.
Auf dem Weg traf ich das deutsche Paar mit dem Sohn wieder, das bereits vor mir unterwegs war; wir trafen uns unterwegs und sahen gemeinsam Füchse – ein wirklich schöner Morgen. Wir mussten durch einen kleinen See waten, was für kühle Füße sorgte. Ich war gegen acht Uhr losgegangen und legte gegen neun Uhr eine Frühstückspause mit Blick auf die Küste ein. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt noch hervorragend, doch am Horizont zeichnete sich bereits eine Wetterfront ab. Jeder hoffte, dass es wenigstens bis zur Sonnenfinsternis einigermaßen klar bleiben würde.
Mein Plan für diesen Tag war, von Látrar über Hesteyri – wo ich zuvor mit der Fähre angekommen war – weiter nordwärts an die Küste nach Hlöðuvík zu wandern, insgesamt etwa 12 bis 13 Kilometer. Da absehbar war, dass sich der Himmel bis zur Sonnenfinsternis mit ziemlicher Sicherheit zuziehen würde, hatte ich bereits am Vortag entschieden, nicht dort auf die Finsternis zu warten, sondern den Tag für die Wanderung zu nutzen.
Gegen Mittag erreichte ich Hesteyri, mein eigentliches Tagesziel – so dachte ich zumindest. Dort gab es erst einmal leckeren Kaffee und gleich zum Trost zwei Pfannkuchen mit Marmelade. Himmel, waren die gut! Und der Himmel schickte auch gleich Hilfe für meine verletzte Matte mit: Während ich meine Sachen ausgepackt hatte und am Zuschneiden war, wurden einige junge Leute auf die großen Risse aufmerksam. Drei Jungs aus Texas boten mir ihr Supertape an, und wir reparierten die Matte gemeinsam. Den Lufttest bestand sie auch, und ich dachte nicht weiter darüber nach. Wir verabredeten, uns später in Hlöðuvík wiederzusehen, da sie ebenfalls dorthin unterwegs waren. Ich blieb noch für einen weiteren Kaffee und Pfannkuchen, dann machte ich mich energiegeladen auf den Weg – mit der Hoffnung auf die Sonnenfinsternis im Gepäck.
Was ich nicht bedacht hatte, war der doch recht anspruchsvolle Weg und die bereits fortgeschrittene Tageszeit. Es würde spät werden, bis ich den Campingplatz erreichte – doch ich war bester Laune, weil ich mich freute, die Wanderung nicht abbrechen zu müssen. Die Beine und Füße leicht, ging es über Stock – nein, nicht Stock, nur Stein (lacht). Auch das deutsche Paar, mit dem ich mich unterhalten hatte, brach kurz nach mir auf. Ich war bereits oben am Berg beim ersten großen Steinmann, als ich sie unten noch sah, und dachte, sie würden mich sicher noch einholen. Ein anderes junges Paar, dem ich begegnete, wunderte sich, dass ich um diese Zeit noch unterwegs war. Ich hatte mir Zeit gelassen, unter anderem weil ich noch einen Wal beobachtete, der in der Bucht bei einem Segelboot schwamm – ein tolles Erlebnis.
Ich folgte Kilometer für Kilometer den großen Steinmännern, und je höher ich kam, desto mehr zog sich der Himmel zu. Wolken, Nebel und Kälte wollten immer mehr an mir zerren. Oben am Kamm, dem höchsten Punkt der Strecke auf etwa 430 bis 480 Metern – für isländische Verhältnisse durchaus hoch –, wurde es spürbar dunkler. Die Sonnenfinsternis näherte sich, und ganz langsam gesellte sich zum Nebel auch die Dunkelheit. Ich befand mich gerade über einem Schneefeld, praktisch auf dem Pass, als der Wind mit einem Mal aufhörte und es merklich kälter und dunkler wurde. Das Weiß des Schnees spendete noch etwas Licht, doch dann war es plötzlich dunkel. Ich hielt ein Video davon fest – es war ein geradezu magischer, mystischer Moment. Welch ein erhabener Augenblick: In mir wurde es still und demütig. Ich stand einfach da und dachte nur: Was wären wir ohne die Wärme und das Licht der Sonne. Wie klein wir eigentlich sind, und wie sehr wir auf Sonne, Licht und Wärme angewiesen sind, auch wenn man das im Alltag kaum spürt.
Dann wurde es, gefühlt genauso rasch, wieder hell. Ich setzte meinen Weg fort, denn inzwischen war mir kalt, und Hunger und Durst taten ihr Übriges für einen zügigen Bergabschritt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits weit über 20 Kilometer in den Beinen, das Gelände war sehr steinig, und ich war dankbar, dass Schuhe und Füße das alles mitmachten.
Kurz darauf begann es zu regnen – erst kaum merklich, dann immer stärker, sodass ich bald bis auf die Haut durchnässt war. Der Weg führte ein Flusstal hinunter zur Küste. Im Nebel öffnete sich für kurze Momente der Blick aufs Meer, das am Horizont schimmerte. Gegen sieben Uhr abends erreichte ich die Küste. An einer Kreuzung traf ich ein anderes Paar, das ebenfalls den Fluss überqueren wollte; auch sie waren vom Wetter völlig durchnässt. Ich entschied mich, über zwei Baumstämme zu gehen, während das andere Paar einen anderen Weg wählte. Aus Müdigkeit und dem Wunsch, endlich anzukommen, folgte ich ihnen unüberlegt über einen steilen Hang, statt meinem eigentlichen Instinkt zu vertrauen, der mir sagte, unten am Strand entlangzugehen – der, wie sich später herausstellte, tatsächlich der einfachere Weg gewesen wäre.
Am Ziel in Hlöðuvík angekommen – nach 32 Kilometern an diesem Tag – musste ich das Zelt im strömenden Regen aufbauen. Dank guter Übung ging das bei mir trotzdem flott; bei dem anderen Paar, deren Zeltmodell zuerst das Innenzelt erfordert, dauerte es dagegen deutlich länger, und ihr Innenzelt wurde entsprechend nass. Ich packte rasch alles ins Zelt, holte noch kurz Wasser am Fluss – ein freundlicher Mann half mir dabei, meinen Wasserbeutel zu füllen –, und zog die nassen Sachen aus. Der kleine Vorraum meines Zeltes bot kaum Platz, aber es ging. Schließlich wechselte ich in trockene Kleidung, kroch in den Schlafsack und gönnte mir noch einen heißen Tee und eine warme Mahlzeit – mehr brauchte es an diesem Tag nicht mehr, ich war alle.
Ich schlief sofort ein, doch mitten in der Nacht gab es ein hartes Erwachen: Dauerregen, und ganz langsam war die Luft wieder aus meiner Schlafmatte entwichen. Die Nacht überstand ich mit mehrmaligem Nachpumpen.
11. August 2026 – Über die Steine nach Látrar
Am Morgen in Sæból ließ ich mir bewusst Zeit, denn klar war: Erst bei Ebbe kann man zum Golden Beach hinüberlaufen und weiter nach Látrar. Auch alle anderen warteten auf die Niedrigwasserzeit, die etwa zwischen zwölf und zwei Uhr lag. Die jüngeren Leute zogen gegen elf Uhr etwas früher los – kein Wunder, wenn man warten soll und eigentlich lieber schon weitergewandert wäre; zudem wollte niemand an der Kette hinunter, was von unten gesehen einen ordentlichen Eindruck machte.
Die jungen Leute warteten irgendwo auf mich, wo man durchs Wasser musste und über Felsen klettern konnte. Als ich dort ankam, entschied ich, dass mir das mit den Wellen zu unsicher war, zumal ich – anders als sie – keine Wasserschuhe dabeihatte und keine nassen Füße riskieren wollte. Ich beschloss, noch eine weitere Stunde zu warten, bis das Wasser wirklich niedrig genug war, und ließ sie vorgehen. Wir winkten uns noch zu, und ich machte Fotos von ihnen drüben auf den Felsen, wo auch die Kette hinunterführt.
Ich hatte außerdem mit einem etwas älteren belgischen Paar ausgemacht, gemeinsam die Stelle zu passieren, um sicherzugehen, dass sie sicher durchkommen. Als sie über die Steine näherkamen, sah ich, dass es nur langsam voranging. Ich ging vor, um zu prüfen, ob das Wasser inzwischen niedrig genug war und ob ich die Schuhe wechseln und ein paar Schritte durchs Wasser gehen konnte. Es gab noch ordentliche Wellen; ich kletterte über glitschige, dicke Wackersteine, bis ich auf der anderen Seite war. Durchs Wasser musste ich an dieser Stelle noch nicht, aber alles war nass und feucht. Das Hochklettern dort sah schwierig aus, und das Wasser war trotz wiederkehrender Wellen nicht weit genug zurückgegangen.
Ich entschied, dass die Belgier das vermutlich nicht mitgehen würden, ging ihnen entgegen und erklärte die Lage: Man müsse durchs Wasser und dann klettern, das sei recht anspruchsvoll – für mich nichts. Die beiden drehten kurzerhand um; ich überholte sie später wieder, da ich auf Steinen etwas flotter unterwegs bin.
Auf dem Strandweg kam mir dann ein Quad mit Anhänger entgegen. Die Fahrerin hatte ich bereits im kleinen Ort – drei Häuser – getroffen. Sie fragte, ob ich die drei Jungen getroffen hätte und von drüben käme. Ich erklärte, dass ich eigentlich bei Ebbe hinüber nach Látrar wollte, es aber nicht geschafft hatte, und nun außen herum zurückwandern würde. Sie bot an zu helfen: Sie hatten ein Seil dabei, um den Rucksack an der Kette hinunterzulassen, und wollten warten, bis die Jungen kamen, um mir den Weg zu zeigen. Sie erzählte, dass ihr Großvater dort ein großes, weißes Haus besitzt – die Familie verbringt die Sommerferien dort, lebt sonst in Reykjavík. Ich fuhr ein Stück auf dem Quad mit, sie und mein Rucksack auf dem Anhänger, wir fuhren den Jungen entgegen.
Die Jungen – der Sohn mit zwei oder drei Freunden – waren selbst gerade die Kette hinaufgeklettert und meinten, es sei machbar. Die Eltern begleiteten mich schließlich zu Fuß zur Stelle, während die Jungen mit dem Quad nach Hause fuhren. Wir stiegen gemeinsam ab; er trug meinen Rucksack auf dem Rücken hinunter und seilte sich damit ab. So kamen wir alle gut unten an. Das belgische Paar hatte inzwischen tatsächlich noch den anderen Weg bei Ebbe ausprobiert – das Wasser war offenbar doch noch weiter zurückgegangen.
Danach wanderte ich weiter Richtung Látrar, zum wunderschönen Golden Beach. Ich war dort ganz allein – ein traumhafter Ort, auch das Wetter war großartig. Es wurde Abend, bis ich Látrar erreichte. Ich baute mein Zelt auf, hatte großen Hunger, da ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, aber genug getrunken hatte. Ich kochte mir etwas zu essen, unterhielt mich noch kurz mit anderen Campern, die dort ebenfalls ihr Zelt aufgeschlagen hatten, und schlief bald ein.
10. August 2026 – Nach Sæból
Am nächsten Morgen war ich zeitig unterwegs, um den südlichen Zipfel außen herum nach Sæból zu wandern, einem ehemaligen Fischerdorf. Dort kam ich bereits gegen zwölf Uhr an, passend zur Ebbe. Auf dem Campingplatz suchte ich mir ein Plätzchen – kurz darauf traf eine ganze Großfamilie mit Kisten und Zelten ein und suchte ebenfalls nach Platz. So groß ist der Campingplatz dort gar nicht. Ich wählte einen kleinen Platz etwas abseits, baute mein Zelt auf und kam mit der Familie ins Gespräch. Sie machten einen Familienausflug bis Freitag, über die Sonnenfinsternis hinweg, mit Kindern von neun Monaten bis etwa sechzehn, siebzehn Jahren – alle sehr sympathisch.
Am Abend kamen noch mehr Leute an, sodass es mit den großen Familienzelten eng wurde für kleinere Einmannzelte. Ich lernte zwei junge Männer aus Ohio kennen, mit denen ich mich schon unterwegs unterhalten hatte, als ich mir den Weg für den nächsten Tag ansah – ob man bei Ebbe tatsächlich an der Küste entlanggehen kann. Das sah gut aus: Der Weg führte über eine Leiter weiter hinunter bis zu den Steinen, die bei Flut nicht mehr erreichbar sind. Auch Einheimische, die dort Urlaub machten, bestätigten, dass man entweder an einer Kette hinunterklettern oder bei Ebbe über die Steine gehen kann. Ich erklärte den beiden jungen Männern die Lage; sie wollten es sich ansehen, kamen dann aber zum Campingplatz zurück. Da sonst kaum noch Platz war, bot ich ihnen einen Platz direkt neben meinem Zelt an. Es war für beide die allererste Übernachtung im Zelt überhaupt – das merkte man ihnen an, aber sie waren sympathisch und mit superleichten Zelten gut ausgerüstet.
Später kamen noch einmal vier weitere Personen mit drei Zelten dazu und suchten ebenfalls Platz – es wurde richtig eng auf dem kleinen Gelände. Diese Gruppe traf ich am nächsten Morgen beim Zeltabbau wieder, als ich selbst schon auf dem Rückweg war. Am nächsten Morgen war wieder traumhaftes Wetter.
09.08.2026 – Ankunft, traumhaftes Wetter und der Weg nach Sæból (Látrar)
Was für ein fantastischer Auftakt für dieses Insel-Abenteuer! Die Anreise mit der Fähre verlief reibungslos – kein Spürchen von Seekrankheit, obwohl ich vorsorglich gar keine Tablette genommen hatte. Das Boot konnte direkt anlegen, sodass wir nicht einmal ins Schlauchboot umsteigen mussten. Die Kulisse präsentierte sich von ihrer allerschönsten Seite: strahlender Sonnenschein und beste Sicht.
Nach dem Ankommen ging es direkt an den Zeltaufbau. Um zum nächsten Etappenziel nach Sæból/Látrar zu gelangen, hieß es jedoch erst einmal: Geduld beweisen. Der Weg führt am Golden Beach entlang, und diese Passagen lassen sich nur bei Ebbe gefahrlos passieren. Gegen Mittag, als das Wasser weit genug zurückgewichen war, zogen die ersten Wanderer los. Ich ließ mir bewusst etwas mehr Zeit, um die Ebbe optimal auszunutzen. Der Abschnitt verlangte absolute Konzentration: glitschige, nasse Wackersteine, kraxeln über Felsen und immer wieder der Blick auf die heranrollenden Wellen. Eine steile Leiter mit Absicherungskette stellte für viele eine kleine Überwindung dar. Doch der Einsatz lohnte sich um ein Vielfaches! Ich stand völlig allein an diesem goldgelben Sandstrand – ein magischer, nahezu unberührter Moment inmitten der isländischen Wildnis.
Am Abend erreichte ich glücklich und mit großem Hunger das Camp in Látrar, schlug mein Zelt auf und genoss die friedliche Abendstimmung.